Was ist Wohnpsychologie?

 

Wohnpsychologie gilt als relativ junge Wissenschaft, deren Wurzeln in verschiedenen Teilbereichen der Psychologie, wie der Umwelt-, Entwicklungs-, Sozial-, Wahrnehmungspsychologie sowie der Physiologie und den Neurowissenschaften (Gehirnforschung) liegen, die aber auch eine Brücke zu jenen Fachgebieten schlägt, die mit Planen, Bauen und Gestalten zu tun haben, wie Architektur, Innenraumgestaltung, Städtebau und Siedlungswesen.

Diese starken interdisziplinären Vernetzungen machen das Fachgebiet äußerst komplex, aber gerade diese Komplexität ist notwendig, um die zentralen, sehr lebensnahen Fragen beantworten zu können:

Erstens, was ist ein menschengerechter Lebensraum? Welche Kriterien muss dieser erfüllen? 
Zweitens, wie wirken Räume, Gebäude und Umfeld auf den Menschen selbst - auf sein Erleben, Verhalten und seine Entwicklung sowie auf die zwischenmenschlichen Beziehungen?

In praktischer Hinsicht stehen zwei weitere Fragen im Mittelpunkt:
Wie lässt sich die menschliche Qualität von Wohnobjekten erkennen? Entgegen so manch herkömmlicher Meinung ist es mittlerweile durchaus möglich, auf wissenschaftlicher Basis die Potentiale und Defizite eines Objektes detailliert zu analysieren - auch bereits bei Planungen. 
Und schließlich die Hauptfrage in der Praxis: Wie kann die Wohnqualität erhöht werden? Hier geht es um die Definition konkreter und wirksamer Maßnahmen.

 

In der Wohnpsychologie geht es nicht nur um ein paar Wohlfühlthemen, sondern um die menschliche Existenz insgesamt.

(1) So geht es um die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung des Individuums. 
Unser unmittelbarer Lebensraum, unsere Wohnung und unser Wohnumfeld beeinflussen unsere persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten und Reifungsprozesse.
Dies betrifft die Entwicklung von Kindern aber auch die Lebenszufriedenheit von Erwachsenen jeden Alters.

(2) Es geht um die Wirkung der Vielzahl an Stimuli (Sinnesreize) aus der Wohnumwelt, die permanent über unsere Sinne auf uns einwirken. Diese beeinflussen nicht nur unsere aktuelle Befindlichkeit, sondern unser gesamtes neuronales und kognitives System (Nervensystem und Gehirn) und damit unsere Gefühle, Gedanken und Einstellungen, unsere Handlungen und unser Verhalten insgesamt.

(3) Es geht um das zwischenmenschliche Zusammenleben - das Miteinander, Gegeneinander oder Nebeneinander. 
Die baulich räumlichen Gegebenheiten können massiv zum Scheitern oder Gelingen von Beziehungen beitragen. Sie können Konflikte entschärfen oder diese geradezu vorprogrammieren. Sie können Kontakte fallweise fördern oder unterbinden, negativ oder positiv beeinflussen.

(4) Es geht um die therapeutische und regenerative Ebene. Wohnumwelten können einen erholsamen Effekt ausüben oder Stress erzeugen. Lebensräume können Heilungsprozesse unterstützen oder den Menschen psychosomatisch beeinträchtigen, im Extremfall sogar erkranken lassen.

Im Prinzip gibt es keine menschliche oder zwischenmenschliche Ebene, die nicht von unserem unmittelbaren Lebensraum (Wohnung, Gebäude und Umfeld) beeinflusst werden würde.
Die gesammelten Erkenntnisse der Wohnpsychologie können dazu beitragen, menschengerechte Lebensräume (innen wie außen) zu verwirklichen sowie etwaige Mängel, Defizite und Beeinträchtigungen zu erkennen und zu vermeiden.

 

siehe auch: online Psychologie-Lexikon oder Lexikon der Psychologie oder Wikipedia

 


Was ist Wohnpsychologie NICHT ?

 

Wohnpsychologie ist nicht Feng Shui (oder Vastu o.dgl.)

Das ursprüngliche Feng Shui aus dem chinesischen Altertum erweist sich bei näherer Betrachtung keineswegs als monolithischer Block an Grundgesetzen und Gestaltungsregeln, sondern als äußerst heterogen: Es gab unterschiedliche Feng-Shui-Schulen und Exponenten mit unterschiedlichen und bisweilen sogar gegensätzlichen Meinungen. Feng Shui muss daher aus dem jeweiligen soziokulturellen Kontext heraus interpretiert werden, eine eventuelle universelle Gültigkeit (Übertragbarkeit auf alle Menschen weltweit) der einen oder anderen Lehrmeinung wäre erst zu überprüfen.

Das neuzeitliche Feng Shui (oder Neo-Feng-Shui) bezieht sich, entgegen landläufiger Meinung, nur sporadisch oder weitläufig auf altertümliche Quellen. Meist zeigt es sich in Form einer Ansammlung von Konzepten und Ratschlägen, deren Herkunft oft gar nicht genannt wird und daher bisweilen fragwürdig erscheint. Vor allem mangelt es beim Neo-Feng-Shui an seriösen objektivierten Studien, welche die Wirksamkeit der erteilten Ratschläge untermauern würden bzw. die Gültigkeit der Konzepte bestätigen würden. Ansammlungen von subjektiv ausgewählten Einzelfällen gelten aus wissenschaftlicher Sicht nicht als Beweis, sondern dienen meist nur der Bestätigung der eigenen vorgefassten Glaubenssätze.   

Dies heißt jedoch nicht, dass alles, was unter Feng-Shui veröffentlicht wird, falsch oder ungültig wäre, aber die einzelnen Aussagen müssten erst einer kritischen Überprüfung unterzogen werden, um sie guten Gewissens weiter empfehlen zu können. Überprüfungen größeren Umfangs fehlen leider bis dato.
In der Wohnpsychologie bilden solche Studien und Forschungsergebnisse jedoch die Basis für das jeweilige Vorgehen. 

Wohnpsychologie ist keine Persönlichkeitsanalyse ... 

... beispielsweise gemäß dem Leitsatz "Zeige mir, wie du wohnst, und ich sage dir, wer du bist". Dies gilt als ähnlich spekulativ wie die Einschätzung von Persönlichkeiten nach ihrem Bekleidungsstil. Es darf eher als riskant bezeichnet werden, bloß auf Basis von ein paar gestalterischen Elementen oder räumlichen Aspekten umfassende und tiefgründige Rückschlüsse auf die jeweilige Persönlichkeitsstruktur zu ziehen.
Wohnstile spiegeln in der Regel lediglich unvollständige Teilaspekte einer Person wider. Es können im Prinzip vielerlei Gründe dafür verantwortlich sein, warum eine Wohnung so aussieht, wie sie aussieht, und warum jemand dort wohnt, wo er wohnt.

Wohnpsychologie ist keine "Wohnungskosmetik"

Wohnpsychologie befasst sich weniger mit oberflächlichem Blendwerk um beispielsweise Wohnungen attraktiver erscheinen zu lassen und sie damit eventuell besser verkaufen zu können. Das sogenannte "home staging" ist maximal Verkaufspsychologie aber keine Wohnpsychologie.
Wohnpsychologie versucht vielmehr die raumbezogenen Lebensbedingungen der Personen, die darin wohnen (müssen oder wollen) zu verbessern.

Wohnpsychologie formuliert keine pseudowissenschaftlichen Konzepte und macht keinen metaphysischen Hokuspokus.
Die Konzepte und Empfehlungen der Wohnpsychologie basieren auf seriösen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen aus vielen unterschiedlichen Fachgebieten. Spekulative Hypothesen bleiben unberücksichtigt, solange es nicht gelingt, deren Gültigkeit (theoretisch und/oder empirisch) zu bestätigen.   
In praktischer Hinsicht dient die Wohnpsychologie im Prinzip der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen in gebauten Umwelten.

 

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Wohnpsychologie oder besser gesagt die Psycho-Logik von Wohnbaustrukturen bildet die wissenschaftliche Basis für Analyse, Beratung und Entwurf mit hoher Wohnqualität.

Dabei geht es um die allgemein menschlichen, vor allem psychologischen Grundlagen zum Themenbereich Wohnen, Wohnbau, Wohnbauplanung etc.